Mrz 152012
 

Letzte Woche hat mal wieder die größte Computer-Messe der Welt, die CeBIT stattgefunden.

Ich war am Samstag mit 4 Freunden da und ich muss sagen ich habe die Chance genutzt und genossen, mit kompetenten Menschen aus der IT Branche auf einem gewissen technischen Level zu kommunizieren.

Einmal im Jahr keine Vertriebs-Blondinen, die einem nach 2 Sätzen nicht mehr folgen können und auf jede technisch halbwegs fundierte Frage reflexartig mit, bei mir Aggressionen auslösenden Sätzen wie „Das ist technisch nicht möglich“ beantworten. Man gut dass der intellektuelle Horizont solcher Vertriebs-Blondinen nicht die innovative Kraft in unserer Gesellschaft darstellt, sonst würden wäre unsere Spezies auf Grund mangelnder Flexibilität mit den Mammuts ausgestorben.

So genug geflamt, ich war also auf der CeBIT.

Telekom:

Ich habe mich bei einem Telekom Mitarbeiter über einige Dinge, auf die mich insbesondere die Folge „Internet im Festnetz“ des h0ch geschätzten CRE Podcasts aufmerksam gemacht haben.

Warum nutzt die Telekom nicht das volle Frequenzband?

Historisch gesehen befand, bzw. befindet sich im unteren Frequenzbereich der Telefonkabel das Telefon. Im oberen Frequenzbereich bis in den Megahertz (MHZ) Bereich befindet sich DSL. Bei Anschlüssen ohne Festnetz, also mit IP-Telefonie wird der untere Frequenzbereich nicht benutzt. Interessant ist hierbei auch zu wissen, dass das untere Frequenzband deutlich weiter übertragen werden kann ohne dass es zu Störungen kommt.

Eine Ausnutzung des unteren Frequenzbereiches würde also dazu führen, dass DSL an Stelle X mit einer höheren Geschwindigkeit betrieben werden könnte. Außerdem könnte man auf diesem Wege die Geschwindigkeit über eine weitere Entfernung zur Verfügung stellen. Dies wird in nicht Internet-Entwicklungsländern, wie Dänemark, Schweden, Polen usw. auch bereits gemacht.

Der freundliche Herr von der Telekom erklärte mir, dass dies bereits in einigen Teilen Deutschlands gemacht werde. Eine unterschiedliche Konfiguration bei verschiedenen Kunden sei jedoch schwierig. Dazu kämen Probleme bei der Genehmigung durch die Bundes Netzagentur. Ich werde das bei Gelegenheit mal erfragen.

Warum nur eine Kupferader?

Laut des freundlichen Telekomikers sind bei Ihnen technisch nur 16 Mbit Down- und 1 Mbit Upload verfügbar? BULLSHIT, 90 Mbit entspricht eher der Realität. Hierzu muss man wissen, dass für das handelsübliche DSL ein Paar Kupferadern verwendet wird. Pro Haushalt werden aber 3-6 Aderpaare verlegt.

Wenn wir jetzt wie oben beschrieben die komplette Frequenzbreite ausnutzen und statt eines Aderpaars drei nutzen können wir gewisse Pufferräume weg lassen da auf jeder Leitung Up- oder Download liegt. Dadurch kommt man laut dem oben erwähnten CRE auf einen Durchsatz von ca. 30 statt 16 Mbit pro Leitung. Man könnte also 2 Leitungen für den Down- und eine Leitung für den Upload nutzen und hätte so 60 Mbit im Download und 30 Mbit im Upload.

Bei 6 Ader Paaren und Leuten die Bereits VDSL 50 haben käme man also theoretisch auf 6x 100 Mbit, also 600 Mbit statt derzeit 50+5 diese könnte man dann z.B. in 400 Down- und 200 Mbit Upload aufteilen.

All dies hat der freundliche Herr von der Telekom nicht bestritten. Er argumentierte für mich durchaus nachvollziehbar. Es lohnt sich wirtschaftlich nicht DSL in dem Maße auszubauen, weil die Kunden für eine deutlich schnellere Leitung i.d.R. nicht bereit sind deutlich mehr zu zahlen. Solange die Konkurrenz durch die Kabelanbieter wie Kabel Deutschland, die bereits 100 Mbit anbieten also nicht maßgeblich steigt wird sich an dieser Stelle in Zukunft nichts ändern.

Meine Befürchtungen aus dem bereits mehrfach erwähnten CRE wurden also bestätigt. Wir brauchen einen „telekromatischen Frühling“ wenn sich hier was ändern soll oder eine Politik, die Internet als Wirtschaftsfaktor anerkennt. Unsere derzeitige Regierung diskutiert aber lieber über die bösen Filesharer und Kinderpornographen.

Glasfaser?

Seit den 80ern wird in Deutschland Kupfer in den Boden gelegt. DSL funktioniert NUR mit Kupferkabeln. Nein, Glasfaser Internet ist kein DSL. In den 90ern im Zuge der IT Blase wurde vielerorts Glasfaser statt Kupfer verlegt, da man glaubte Internet über Kupfer sei mit analog und ISDN am Ende.

Dies führte dazu, dass in vielen Bereichen Deutschlands lange nur ISDN verfügbar war. Diese Gebiete werden allmählich mit Breitband Internet erschlossen.

Kabel liegen genug, jedoch hat die Telekom kein finanzielles Interesse kleine Gemeinden mit Glasfaser Internet zu versorgen, da sie die entsprechenden Leute eh als Kunden haben und keine Konkurrenz da ist. Erst wenn ein fremder Anbieter einen Antrag stellt um in solchen Gemeinden „echtes“ Internet anzubieten wird die Telekom aktiv und stellt ihre eigene Technik hin.

Dies ist ein Missbrauch der Glasfaserkabel, die die Telekom bei der Privatisierung geerbt hat und die Politik muss in meinen Augen hier aktiv werden. Bei CDU Politikern, die man gerade meinen Ausformulierungen folgen können und sonst nur gelegentlich „Internet gucken“ mache ich mir da allerdings wenig Hoffnung.

Warum ein Algorithmus der auf Daten aus den 80ern basiert?

Laut meinen Informationen berechnet die Telekom die verfügbare Internet Geschwindigkeit auf Basis der Pläne wann wo wie dicke Kupferkabel verlegt wurden. Dieser Algorithmus ist dermaßen „broken“, dass er 1 Mbit anzeigt bei Haushalten die 16 Mbit bekommen könnten.

Der freundliche Herr der Telekom erklärte mir, dass dies bereits seit 2009 nicht mehr gemacht wird.

Fakt ist, dass jedes DSL Modem nach dem Einschalten mit der Zentrale seine Bandbreiten aushandelt. Ergebnis dessen sind exakte Messergebnisse. Auf Basis dieser lassen sich deutlich bessere Aussagen für Neukunden treffen. Wenn, bsp. weise in einem Haus 3 Haushalte 16 Mbit bekommen, so ist eine ähnliche Geschwindigkeit bei anderen Haushalten zu erwarten.

Kleiner Tipp, in den Fritz!Boxen der Firma AVM kann man unter DSL Informationen diese Daten einsehen, man kann also gucken was verfügbar ist und was der Anbieter einem schaltet.

Fortsetzung folgt

Oha, das wurde doch länger als gedacht.

Ich habe mit dem Herren der Telekom ca. 15-20 Minuten gesprochen. Ähnlich lange Gespräche habe ich mit Microsoft, Draytek, AVM, ESET, Drupal, WordPress und einem Anbieter für Überwachung von Einsatzkräften geführt. Mein Gespräch mit Freifunk wurde durch meine mitreisenden unterbrochen und am Libre Office konnte ich nur ein freundliches „danke und keep up the good work“ loswerden, aber dazu später mehr.

Ich werde deshalb einen 2. Teil schreiben.

 

edit: Teil 2 fällt aus.

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